auswandern

Auf dieser Seite werde ich ein bisschen was über meine Erfahrungen mit der Bürokratie und Formalitäten der Auswanderung berichten…

Ich bin im Sommer 2015 nach Schweden ausgewandert. Das heißt, ich bin zum Skattekontorbüro, hier gibt es in fast jeder Stadt ein Servicebüro, gegangen und habe mich als hier wohnhaft gemeldet.

Personennummer:    Da ich keinen Job ausübe, sondern mich 2016 mit dem Kreativhof selbstständig machen wollte, mußte ich vorweisen, dass ich genug Eigenkapital besitze, um mich ein Jahr lang zu versorgen. Das waren so um die 150.000,-Sek. Dann wollten sie noch eine Bestätigung für eine Krankenversicherung für ein Jahr. Dafür habe ich dann eine spezielle Privatversicherung abgeschlossen, die aber nicht anerkannt wurde. Also stellte mir die Krankenversicherung meines Mannes aus Deutschland, bei der ich noch familienversichert bin,  eine Bestätigung aus, die dann anerkannt wurde. Allerdings mußte diese dann vom schwedischen Staat wieder abgezeichnet zurückgeschickt werden, was nicht klappte. Ich bin 6 mal dort gewesen und habe dann zum Schluß gesagt, ich muß in Deutschland zum Arzt und solange die Bestätigung aus Schweden nicht zurück in Deutschland ist, werde ich nicht behandelt (was ja auch stimmte, denn solange bin ich nicht versichert). Dann ging es ganz schnell, per Email hatte ich die Bescheinigung innerhalb von 30 Min. zurück. Könnte mir auch in Deutschland passiert sein. Alles gut, ich habe nun meine Personennummer, ohne die in Schweden fast nichts geht.

ID-Kort: Mit der Personennummer habe ich eine ID-Kort beantragt, diese sieht so aus wie unser Personalausweis. Kontoeröffnung, Mitgliedskarte im Baumarkt oder Supermarkt, Abholung von Paketen …, überall braucht man diese Karte. Ich mußte im voraus 400,-€ einzahlen und dann mit dem Einzahlungsbeleg zum Skattekontor. Hier wurde gemessen, ein Foto gemacht und fertig. Zwei Wochen später konnte ich das gute Stück abholen. War ganz einfach!

ärztliche Versorgung: Kaum hatte ich meine Personennummer, wurde ich vom Landkreis angeschrieben, welche Vårdcentrale ich denn wählen  möchte. Vårdcentralen sind kleine Ärztezentren, die in jeder größeren Siedlung zu finden sind. Hier haben die Ärzte Schichtdienst, wie im Krankenhaus und es gibt eine Notaufnahme für akute Fälle. Krankenhäuser gibt es in den größeren Städten. Die ärztliche Versorgung ist staatlich.  Habe ich also ein gesundheitliches Problem gehe ich zu meiner Vårdcentrale. Ansonsten funktioniert es hier mit dem Notruf wie in Deutschland mit 112, dann kommt die Ambulanz. Braucht sicherlich etwas länger bis zu uns aufs Land, aber, wenn ich den Tag auf der Liste stehe, kann man sowieso nichts mehr ändern.

Selbstständig machen oder startar eget: Ist hier relativ einfach. Ein Formular beim Skattekontor einreichen und auf die Registrierung warten. Dann war es am 01.04.16 soweit und unser Kreativgård ist registriert oder F-skatt godkänd, wie man das hier nennt. Man muß schätzen, wieviel Gewinn man machen wird und Steuervorauszahlungen leisten, wie in Deutschland. Buchführung ist auch Pflicht – lästig aber unumgehbar. Ist für mich nicht ganz so schlimm, da ich in Deutschland auch schon die Buchhaltung gemacht habe.

Nun fehlt noch die Anmeldung des Cafes bei der Lebensmittelkontrolle – livsmedelkontrol mit Wasserkontrolle und Besuch der Behörde. Damit auch alles sauber und ordentlich zu geht. Dafür stellt man hier Anträge wie in Deutschland auch.

Einwanderung des Ehepartners:

Mein Mann Andreas ist jetzt Januar 2016 auch eingewandert. Er hat eine Personnummer mit der Einwanderung beim Skattekontoret beantragt und es ging dann ganz schnell, da ich als seine Ehefrau schon hier wohnhaft war.

Unser erstes schwedisches Kennzeichen klingt irgendwie türkisch nicht schwedisch…  üjü 576

20170616_171104

Nun haben wir unser erstes Auto hier in Schweden zugelassen. Unser 30 Jahre altes Wohnmobil wollten wir nicht in Deutschland verkaufen und jedesmal alle zwei Jahre zum TÜV nach Deutschland fahren, wollten wir auch nicht. Also haben wir es als flyttsak (Umzugsgut) eingeführt. Dafür mußten wir beim Transportstyrelsen einen Antrag stellen, 600,-kr bezahlen und die Originalpapiere hinschicken. Dann bekamen wir eine ursprungskontroll, die belegt, dass das Auto mit den hinterlegten Daten uns gehört. Dann haben wir einen Termin bei der bilprovning (schwed. TÜV) für die  ursprungsbesikning gemacht. Dies macht hier im Umkreis von 100km scheinbar nur ein Mitarbeiter und wir hatten Glück, dass wir vor seinem Urlaub noch einen Termin bekommen haben. Dann sind wir nach Växjö gefahren und haben dort auch gleich im Nachhinein die kontrollbesiktning bekommen, der erforderliche normale TÜV. Für die Fahrt zur Bilprovning mußten wir eine Eintagesversicherung bei unserer Versicherung haben, war aber kein Problem, einfach angerufen und den Termin und den Ort genannt und alles klappte. Danach haben wir das Fahrzeug bei der Transportstyrelsen für die Benutzung angemeldet, die geht ganz einfach online, wie fast alles hier. Dies kann man auch mit der Abmeldung ganz einfach online machen. Das Kennzeichen bleibt dann dran und die Abmeldung bei der Versicherung noch tätigen und schon kostet das Fahrzeug, wie z.B. beim Wohnmobil im Winter keine Steuern und Versicherung. Die ganze Anmeldung und Besichtigung hat uns zusammen ungefähr 3.600,-kr gekostet. Dafür bezahlen wir jetzt aber nur 1.040,-kr (110,- €) -Trafik-Versicherung im Jahr und weil das Fahrzeug ein Veteran ist (über 30 Jahre) keine Steuer. Das hat sich schon mal gelohnt. Nun werden wir die anderen Fahrzeuge, die wir länger behalten wollen, auch ummelden. Wir waren sehr angenehm überrascht, wie gut hier alles funktioniert. Service wird hier groß geschrieben und beim TÜV wurden wir trotz verschobener Mittagspause vorgezogen, damit wir nicht warten mußten. Die Kennzeichendaten sind nun sozusagen die Papiere des Fahrzeugs. Denn die gibt es hier nicht mehr. Mit dem Kennzeichen lassen sich alle erforderlichen Daten aus dem Computer holen und alle Vorbesitzer, Ersatzteillisten und Versicherungen werden darauf gespeichert und lassen sich öffentlich einsehen. Das Kennzeichen bleibt bis zur Verschrottung am Fahrzeug und wird nicht gewechselt. Hier ist man sehr gläsern, aber uns stört das nicht, denn wenn man nichts zu verbergen hat, kann man die Karten auch offen auf den Tisch legen.